Zahn ausgeschlagen: Was jetzt zu tun ist
Ein Sturz vom Fahrrad, ein Zusammenstoß beim Sport oder ein Unfall auf dem Schulhof: Besonders die oberen Schneidezähne sind bei Zahnunfällen gefährdet. Wird ein bleibender Zahn vollständig aus dem Kiefer geschlagen, spricht man von einer Avulsion.
Das sieht zunächst dramatisch aus. Doch ein ausgeschlagener bleibender Zahn kann unter günstigen Voraussetzungen wieder eingesetzt werden. Entscheidend ist, was unmittelbar nach dem Unfall mit dem Zahn geschieht.
Jetzt zählt jede Minute
Auf der Zahnwurzel befinden sich empfindliche Zellen des Zahnhalteapparates. Sie spielen eine wichtige Rolle dafür, ob der Zahn nach einer Replantation wieder in den Kiefer einheilen kann.
Diese Zellen dürfen möglichst weder austrocknen noch mechanisch beschädigt werden. Nach längerer trockener Lagerung verschlechtert sich die Prognose erheblich. Bei einer Trockenzeit von mehr als 60 Minuten sind die Zellen auf der Wurzeloberfläche sehr wahrscheinlich nicht mehr vital.
Deshalb gilt: Den Zahn möglichst schnell richtig lagern und sofort eine Zahnarztpraxis oder Zahnklinik aufsuchen.
So verhalten Sie sich bei einem ausgeschlagenen Zahn
Wurde ein bleibender Zahn ausgeschlagen:
- Zahn vorsichtig suchen und aufnehmen.
- Nur an der Zahnkrone anfassen – niemals an der Wurzel.
- Den Zahn nicht abreiben, abbürsten oder desinfizieren.
- Möglichst sofort in eine Zahnrettungsbox legen.
- Anschließend umgehend zahnärztliche Hilfe aufsuchen.
Auch wenn der Zahn verschmutzt aussieht, sollte nicht selbst versucht werden, die Wurzel gründlich zu reinigen. Die empfindlichen Zellen auf der Wurzeloberfläche könnten dadurch zusätzlich geschädigt werden.
Zahnrettungsbox: Die beste Lösung für den Transport
Eine Zahnrettungsbox enthält ein spezielles zellverträgliches Nährmedium. Darin können die Zellen auf der Zahnwurzel wesentlich besser erhalten werden als bei einer trockenen oder ungeeigneten Lagerung.
Deshalb empfiehlt auch die Bundeszahnärztekammer, Zahnrettungsboxen unter anderem in Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten und medizinischen Einrichtungen bereitzuhalten.
Wichtig: Auch in einer Zahnrettungsbox sollte der Besuch beim Zahnarzt nicht hinausgezögert werden. Die Box verbessert die Bedingungen für den Transport – sie ersetzt keine schnelle Behandlung.
Was tun, wenn keine Zahnrettungsbox vorhanden ist?
Ist keine Zahnrettungsbox greifbar, sollte der Zahn auf keinen Fall trocken transportiert werden.
Als vorübergehende Alternativen kommen insbesondere infrage:
- gekühlte H-Milch
- isotone Kochsalzlösung aus der Apotheke
Die aktuelle Leitlinie bewertet H-Milch dabei günstiger als Kochsalzlösung. Leitungswasser ist dagegen kein geeignetes Aufbewahrungsmedium.
Auch Taschentücher oder eine längere trockene Aufbewahrung sollten unbedingt vermieden werden.
Achtung: Milchzähne werden nicht wieder eingesetzt
Bei Kindern muss zunächst geklärt werden, ob ein Milchzahn oder bereits ein bleibender Zahn betroffen ist.
Ein ausgeschlagener Milchzahn darf nicht wieder in das Zahnfach eingesetzt werden, da dadurch der darunterliegende bleibende Zahn geschädigt werden könnte.
Auch bei einem ausgeschlagenen Milchzahn sollte das Kind jedoch zeitnah zahnärztlich untersucht werden, um weitere Verletzungen auszuschließen.
Was geschieht anschließend beim Zahnarzt?
Bei einem ausgeschlagenen bleibenden Zahn wird geprüft, ob und unter welchen Bedingungen eine Replantation sinnvoll möglich ist. Dabei spielen unter anderem die Dauer außerhalb des Mundes, das verwendete Transportmedium und der Zustand des Zahns eine Rolle.
Nach dem Wiedereinsetzen wird der Zahn in der Regel stabilisiert und anschließend engmaschig kontrolliert. Je nach Entwicklungsstand und Verletzung können weitere Behandlungen notwendig werden.
Auch abgebrochene Zahnfragmente sollten deshalb nach Möglichkeit mitgebracht werden. Sie können in bestimmten Fällen wieder am Zahn befestigt werden.
Zahnunfall? Lieber sofort handeln
Bei einem Zahnunfall ist Abwarten keine gute Strategie. Selbst wenn der Zahn äußerlich noch intakt erscheint, können Zahnwurzel, Zahnnerv oder umliegendes Gewebe verletzt sein.
Deshalb gilt bei ausgeschlagenen, gelockerten oder abgebrochenen Zähnen: Zahn beziehungsweise Zahnfragment sichern und möglichst schnell zahnärztlich untersuchen lassen.
Die richtige Erste Hilfe kann bei einem ausgeschlagenen bleibenden Zahn einen entscheidenden Unterschied für seine weitere Prognose machen.
©2026 Praxeninformationsseiten | Impressum